Konzerte

Weihnachtssingen: Wie wir einen Trend nach Ostbelgien geholt haben

Vom Stadion nach Deidenberg: Wie der Chor Born den Trend Weihnachtssingen nach Ostbelgien geholt hat, warum alle mitsingen wollen und was das mit Fußball zu tun hat.

Es begann mit 89 Fans in Berlin – und einer Idee für uns.

Die Geschichte ist legendär: 2003 trafen sich 89 enttäuschte Union-Berlin-Fans heimlich im Stadion, um die - pardon - beschissene Hinrunde mit ein paar Weihnachtsliedern wegzusingen. Heute füllen solche Singen riesige Arenen von Berlin bis Köln mit über 40.000 Menschen.

Wir haben uns gedacht: Das können wir auch.

Am vierten Adventssonntag 2019 haben wir in die Tünnessenhalle nach Deidenberg eingeladen – zum ersten großen Weihnachts-Mitsingen in unserer Gegend. Das Ergebnis? Bude voll, Gänsehaut garantiert und ein voller Erfolg.

Seitdem ist das Format aus Ostbelgien nicht mehr wegzudenken.

Was bei uns besser ist als im Fußballstadion

Wir haben zwar keine 44.000 Plätze, aber dafür etwas viel Besseres: Wir kennen uns.

Beim Weihnachtssingen stehen Kinder neben Großeltern, Vereinskolleg*innen neben Nachbarn und Freunde neben Fremden. Niemand muss auf der Bühne stehen und performen. Wir alle sind der Chor.

Dass die Grundschulkinder von Anfang an mit an Bord sind, ist uns eine Herzensangelegenheit. Wer als Kind erlebt, wie viel Power im gemeinsamen Singen steckt, verliert für immer die Scheu vor der eigenen Stimme.

Warum das Ganze guttut - und süchtig macht

Seien wir ehrlich: Weihnachten ist oft hektisch. Geschenke kaufen, Fristen einhalten, Jahresendspurt. Doch wenn Kerzenschein die Tünnessenhalle oder die Kirche erfüllt, der Duft von Glühwein, Zimt und frischen Keksen in der Luft liegt und die ersten Töne erklingen, schaltet die Welt da draußen für zwei Stunden auf Pause.

Das Weihnachtssingen ist der Moment, an dem die Vorweihnachtszeit endlich wieder das wird, was sie sein sollte: warm, gemütlich und gemeinsam.

Dass gemeinsame Weihnachtslieder so tief gehen, ist übrigens kein Zufall, sondern Biochemie:

  • Der Hormon-Kick:
    Beim gemeinsamen Singen schüttet der Körper im Akkord Oxytocin (das sogenannte Bindungs- und Kuschelhormon) sowie Endorphine aus. Gleichzeitig sinkt das Stresshormon Kortisol nachweislich.

  • Herzen im selben Takt:
    Studien zeigen, dass sich beim gemeinsamen Singen in einer Gruppe nach wenigen Minuten die Herzfrequenzen der Singenden miteinander synchronisieren. Man schlägt wortwörtlich im selben Takt.

  • Musikalisches Gedächtnis:
    Weihnachtslieder sind tief in unserem Gehirn verankert. Selbst Töne und Texte, die wir Jahrzehnte nicht gehört haben, lösen sofort Wohlgefühl und Kindheitserinnerungen aus.

  • Der beste Schutzschild gegen Einsamkeit:
    Zusammen zu singen verbindet Menschen schneller als jedes Gespräch. In einer Zeit, in der viele Menschen Isolation spüren, schenkt ein voller Saal pure Geborgenheit.

Und das Beste daran: Du musst absolut gar nichts können.

  • Keine Noten.

  • Kein Vorsingen.

  • Kein Leistungsdruck.

Du stehst oder sitzt einfach mitten in der Menge. Wenn ein Ton daneben geht? Hört niemand. Wenn du bei der zweiten Strophe den Text vergisst? Nimm einen Schluck Glühwein. Bei der dritten Strophe singst du von ganz allein wieder mit.

Du gehst an diesem Abend mit warmen Händen, einem Grinsen im Gesicht und einem volleren Herzen nach Hause. Genau deshalb boomt das Format überall – und genau deshalb lieben wir es.